Manifest

RockCity Hamburg präsentiert:

NO FUTURE IN MUSIC!

DAS MANIFEST zur Lage der Hamburger Musiker_innen

Als Hamburger Musiker_innen und Musikschaffende erleben wir heute, dass der Beruf des/der Musiker_in von all jenen, die Musik täglich und oft kostenlos nutzen,  als selbstgewähltes Hobby behandelt wird.  Fans & Freunde, Clubs, Venues sowie Festivals, Musiknutzer_innen, Dienstleister_innen, Behörden und Institutionen – sie alle haben das Musikschaffen offensichtlich zum Mythos verklärt, der die daran geknüpften prekären Lebensverhältnisse der Musiker_innen romantisiert oder ignoriert. RockCity ist das Sprachrohr der Hamburger Musiker_innen in Politik, Parteien und Branche – deshalb stärken Sie die Maßnahmen des Vereins und seine engagierte, wertvolle Arbeit für die Hamburger Musiker_innen. Berufsmusiker_in zu sein, ist kein linkes Hobby und Applaus ist nicht die Bezahlung unserer Kunst.

Hamburgs Musiker_innen brauchen …

  • (01) … mehr bezahlbare und urbane Übungsräume, damit die Musiker_innen erwartungsfreie Bühnen und Experimentierräume erhalten. Kreativität braucht Raum und Zeit. Deshalb benötigen wir die Zurverfügungstellung von bezahlbaren, urbanen und trockenen Experimentierräumen für Musiker_innen und Musikschaffende.
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Experimentier- und Übungsräume, Bunker, Flächen und Brachen, auf denen Musik in Hamburg entstehen kann, sind in Hamburg seit Jahrzehnten Mangelware. Über die Jahre sind unzählige Nutzungen weggefallen, ohne, dass in HH für den gezielten Ausbau von Übungsräumen und lärmtoleranten Flächen gesorgt wurde. Obwohl die Kreativgesellschaft Hamburg sich bemüht, Abhilfe schaffen: Musik in Gebäuden und Bands als Mieter bleibt von Immobilienbesitzer_innen nicht erwünscht. Neuestes Drama: Seit 3 Wochen ist einer der letzten Musikbunker, Otzenstraße 28 auf St. Pauli, für über 150 Musiker_innen/ 40 Proberäume von der Bauaufsicht bis auf Weiteres geschlossen. Sie können so kurz vor dem Reeperbahnfestival nicht mehr proben. Einen Ersatz gibt es nicht. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Schaffen wir endlich Bestandsschutz, Neubau und temporäre Räume, die Lärm vertragen!

  • (02) mehr Beschäftigungsförderung! Bezuschussung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen von RockCity für Hamburgs Musiker_innen, um lebenslanges Lernen zur Zukunftssicherung zu gewährleisten. Hier ist eine szenenahe und bezahlbare Beschäftigungsförderung von RockCity Hamburg in den Bereichen Internationalisierung, Selfmarketing & DIY, Education & Learning, digitale Kompetenzen, Innovation, Music Future Perspectives und Live-Music für Hamburger Musiker_innen lebenswichtig. #futureinmusic
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Hamburg hat den Popkurs, die KMM, die SAE, School of Music, Deutsche Pop und bald auch die BIMM. Hier können Musiker_innen, Techniker_innen, Musikbusiness-Interessierte, Kulturmanager_innen und Produzent_innen für gutes Geld über mehrere Semester studieren. Doch wie sieht es in den Musikszenen aus? Woher bekommen sie ihr maßgeschneidertes Know-How für Selbstvermarktung, Vertrieb und Produktion und zwar so, wie sie es brauchen: Kurz, knapp, verständlich und bezahlbar? Wir alle wissen, Musiker_innen sind daran interessiert, dass ihre musikalische Entwicklung öffentliche Aufmerksamkeit und Bestätigung erfährt. Zudem ist ihre Reputation in den Szenen sowie bei den Akteur_innen des Musikmarkts grundlegend für die Vorhersage des zukünftigen Erfolgs und beeinflusst die Entscheidungen von Akteur_innen am Musikmarkt enorm. Die Musiker_innen versuchen also, einen mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretenden Erfolg in Aussicht zu stellen. Doch die meisten Musiker_innen haben auch in Hamburg keine formelle musikalische Ausbildung genossen, weder am Instrument, noch in der digitalen Vermarktung und Verwertung ihrer eigenen Musik. Sie lernen auch heute nonformell durch Experiment und Gruppenerfahrung. Wir brauchen deshalb mehr szenenahe und bezahlbare Formate der Weiterbildung, wie z.B. das POP≥INSTITUT von RockCity, die den Anforderungen der Musiker_innen an moderne Wissensvermittlung in den Musikszenen gerecht wird.

(03) … eine Selbstverpflichtung der Clubs, Venues, Veranstalter_innen und Nutzer_innen von Live-Musik zur Zahlung angemessener Gagen für alle Hamburger Live-Musiker_innen (FAIR PAY)! Tragen Sie Sorge für eine gerechte Bezahlung von Live-Musiknutzung über dem Mindestlohn und begrenzen wir Umsonstkonzerte, Hutkonzerte oder Gage gegen Mahlzeit. Eine Mindestgage bei Live- und Studioauftritten in Höhe von 250 € je Musiker_in (siehe UDJ) und ein Gütesiegel für faire Gagen sind unser Ziel. #fairpay

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Im Hinblick auf die Monetarisierung ihrer Musik und damit den Erhalt einer beruflichen popkulturellen Perspektive spielen Nachwuchsmusiker_innen und semiprofessionelle Bands / Musiker_innen, die 90 % der Musikmachenden ausmachen, in Clubs und Venues, um ihre Popularität zu steigern, erste Tonträger auf Konzerten anzubieten und Kontakte in die Branche zu knüpfen. Sie erhalten oft keine oder nur minimale feste Gagen von Clubs/Venues und tragen so das betriebswirtschaftliche Risiko der Veranstaltung neben ihrem eigenen gleich mit. Doordeals, Hutdeals und Umsonstkonzerte sind keine Seltenheit. Und das, obwohl es für sie kaum weitere Einnahmequellen als die Livegage gibt. Einnahmen aus Tonträgerverkäufen, Merchandising, Tantiemen, Beteiligungen fehlen in diesem Segment zumeist ganz. Während im oberen Segment mancherorts exorbitante Gagen ausgezahlt werden, liegen die Gagen für semiprofessionelle Musiker_innen zwischen 100-300 € pro Gig und Band. Ein Clubkonzert in Hamburg zu spielen, kostet für eine 5-köpfige Band (GbR) mind. ca. 150 €; damit wird jedes Konzert zum Minusgeschäft und Musizieren zum kostspieligen Hobby. Musiker_innen spielen, üben, komponieren, sie stehen auf Bühnen, sie unterrichten, sie touren, treten auf Festivals auf und entwickeln ihr eigenes Publikum. Sie gestalten, präsentieren, vertreiben, produzieren, promoten, finanzieren und vernetzen, häufig ohne Ausbildung, ohne festen Arbeitsplatz, ohne Probebühnen, mit marginalen Hut-Gagen/Gehälter und meist ohne eine berufliche Perspektive. Deshalb schafft RockCity das Gütesiegel FAIR PAY, als Marke, Medaille und Orden einer freiwilligen Selbstverpflichtung aller Events/ Venues zur Mindestgage.

(04) … einen effektiven Support im Bereich Auslandsförderung und HHMusicXport. Unterstützen Sie den musikalischen Nachwuchs der Stadt, damit Hamburger Musik im In- und Ausland erklingt und nicht ohne sie stattfindet, denn Tourneen und Auftritte im In- und Ausland sind wichtig für ihre berufliche Laufbahn. Die Inspiration durch die gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher musikalischer und kultureller Traditionen beflügelt den interkulturellen Dialog und lässt kulturelle Vielfalt erst entstehen.

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Hamburger Musik im Ausland ist auch heute noch ein Buch mit sieben Siegeln. Bands, die es in die Charts im Ausland geschafft haben, lesen sich mager und yesterday: Modern Talking, Rammstein, Nena oder die Scorpions haben es geschafft. Heute sind es DJ Robin Schulz, Felix Jaehn oder ganz kurz Milky Chance. Doch, wo sind die Bühnen für neue, spannende Hamburger Bands/DJs, die die Qualität und  das Team haben, um im Ausland Gehör zu erhalten? Wir suchen sie vergeblich. Deshalb brauchen wir mehr effektive Auslandsprogramme, wie HHMusicXport oder den Live Exchange Support von RockCity, die Hamburger Bands auf internationale Bühnen bringen. Denn das Goethe Institut, das Auswärtige Amt und die Initiative Musik fördern zwar einige aussichtsreiche Projekte auf Bundesebene, aber nicht gezielt den Hamburger Nachwuchs.

(05) … Stipendien, Residenzen, Kredite, Bürgschaften für Hamburger Musiker_innen in den Bereichen der Spitzen- und Exzellenzförderung, die kontinuierlich und jährlich vergeben werden, um maßgeschneiderte musikalische Zukunftsperspektiven zu ermöglichen!

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Ausübende Musiker_innen sind dazu gezwungen, prekär, projektgebunden und freischaffend tätig zu sein. Dabei ist die Selbstständigkeit der Musiker_innen häufig unfreiwillig und damit immer öfter als Notlösung verordnet. Ihre Arbeitsbedingungen sind zumeist nur schwer kontrollierbar, eine berufliche Perspektive fehlt ohne Geld ganz. Dabei sind gerade die semi-professionellen Musiker_innen von besonderer Bedeutung für die Vielfalt musikalischer Trends einer Stadt. Sie gelten uns als Basis der Produktion von populärer Musik und agieren doch am Rande der Selbstausbeutung, zumeist ohne finanzielle Hilfen. Eine gezielte Spitzenförderung muss deshalb Instrumente schaffen, an denen Musiker_innen teilnehmen können, die sich durch besonders kreative Leistungen hervorheben und bereits professionell arbeiten. Wir brauchen Stipendien u.a. für Musiker_innen, die in Hamburg leben und hier ihren beruflichen Mittelpunkt haben, um musikberuflichen Lebensläufen wieder eine Perspektive zu geben.

(06) … eine Stärkung des Sprachrohrs der Hamburger Musiker_innen RockCity und damit die Einbeziehung ausübender Musiker_innen in politische Entscheidungsprozesse der Musikstadt Hamburg. Wir brauchen eine faire Beteiligung am Etat der Kultur-, Wirtschafts-, und Bildungsförderung, denn Musik findet in allen Gewerken statt.

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Die Kulturpolitik von Staaten hängt maßgeblich von der Entwicklung und Lebendigkeit ihrer Kulturbetriebe ab. Sie sind bedeutend für die Entwicklung der Künste auf allen Ebenen und wirken sich, wie alle aufgeführten Themen des Manifests, unmittelbar auf die Lebens- und Tätigkeitsbereiche ausübender Musiker_innen in den Ländern aus. Deshalb brauchen wir für die Musiker_innen und ihre Organisationen in Hamburg einen Platz am Tisch der politischen Diskussionen von Politik und Parteien. Die Stellung von Musiker_innen muss gestärkt und aufgewertet werden, um die Nachhaltigkeit musikalischer Produktion und den Status der/s Musiker_in aufrechtzuerhalten und zu befördern. Da Musiker_innen kaum Kontrolle über ihre Beschäftigungsbedingungen haben, nehmen Berufsverbände + Institutionen, wie RockCity Hamburg, eine besonders wichtige Rolle wahr, wenn es gilt Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen zu stärken und zu schützen. Deshalb benötigen wir politische Unterstützung und den zu verstärkenden finanziellen Rückhalt öffentlicher Kassen. Die Hamburger Musiker_innen müssen bei der Ausarbeitung von Strategien, Entscheidungsprozessen und ihrer Umsetzung auf allen Ebenen gegenwärtig sein.

(07) … schließen Sie mit uns die typischen Produktionslücken in der Musikbranche. Wir brauchen einen Produktionskosten-Fond zur Unterstützung des Selbstmarketings für Musiker_innen, denn sie tragen das Risiko aller Berufszweige auf ihren Schultern und die Produktionskosten bis zur fertigen Aufnahme liegen nicht selten bei den Musikschaffenden selbst.

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Das Selbstmanagement von Musiker_innen im Hinblick auf die Monetarisierung ihrer Musik und damit den Erhalt einer beruflichen popkulturellen Perspektive bietet keinen Grund zur leichtfertigen Innovationseuphorie. Vielmehr haben sich die Erwerbsperspektiven und die Möglichkeiten der Erschließung neuer und alter Märkte auch unter den Bedingungen der digitalen Netzwerkkommunikation nicht notwendigerweise verbessert. Zudem orientiert sich die Debatte über die Vermarktung von Musik an den Interessen der Internetnutzer_innen, der Plattformen und der Musikindustrie, die/der Musiker_in wird nicht einmal mitgedacht. Dabei liegen die Produktionskosten von der ersten musikalischen Idee über digitale Veröffentlichungen wie Videos, Blogs, Streamings sowie Tourneen, Fotos + Demotapes bis zum 1. /2. Album heutzutage meist zu 100 % bei den Musiker_innen selbst. Da Musiker_innen keine Kredite, keine Stipendien und kaum Mittel aus der Hamburger Labelförderung erhalten, ist das finanzielle Vermarktungsrisiko für Musiker_innen von Anbeginn ihrer beruflichen Karriere extrem hoch. Deshalb brauchen wir für Hamburgs Musiker_innen einen Produktionskosten-Fonds für Selbstvermarkter_innen nach dem Vorbild von RockCitys Live Exchange Support, um diese Produktionslücke endlich zu schließen.

Und über die Landesgrenzen hinaus: 

  • (08) … eine gerechte Beteiligung von Urheber_innen an ihren Werken, denn Musiker_innen leben nicht selten auch von den Rechten ihres geistigen Eigentums als Komponist_in und Autor_in. Deshalb setzen Sie sich mit uns für den Schutz des geistigen Eigentums und Stärkung des Urheberrechts ein! Wir appellieren an alle Staatsvertreter_innen, die Rechte der Urheber_innen vollständig anzuerkennen, sowohl im Ton – als auch im audiovisuellen Bereich.

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Auch viele Hamburger Musiker_innen bestreiten ihren Lebensunterhalt aus den Rechten ihres geistigen Eigentums als Komponist_in und Autor_in/Textdichter_in. Diese Art der  Generierung von Einkommen aus der laufenden Verwertung ihrer Arbeit ist typisch. Die sog. Urheberrechte können im Erfolgsfall hohe Vermögenswerte für die Urheber_innen darstellen, gehören unter Schutz und dürfen nicht auf dem globalen Marktplatz der Interessen dargebracht werden. Diese Art der Rechteverwertung bedeutet ein wichtiges Einkommen, denn aus branchenbedingten Gründen sind sie zwischen Engagements zumeist arbeitslos und haben oft keine anderen Einnahmequellen als die, welche sich durch die laufende Nutzung ihrer Arbeit ergeben.

(09) … bundesweite rechtliche und institutionelle Strukturen und Rahmenbedingungen, die die einzigartigen Arbeitsbedingungen von ausübenden Musiker_innen in Hamburg berücksichtigen. Musiker_innen und Musikschaffende müssen Zugang zu Sozialversicherung, Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung sowie zu gerechten und flexiblen Steuer- und Rentensystemen erhalten.

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Für 90 % der Musiker_innen ist ihr gewählter Berufsstand von täglicher Ungewissheit, aufreibendem Selbstmanagement und mangelnder finanzieller Stabilität geprägt, oft fehlt jede Perspektive, einmal ein Auskommen für Familie, Wohnung oder Bildung zu haben. Gerade Popmusiker_innen verfügen über ein niedriges, unregelmäßiges, aber zumeist unzureichendes Einkommen in Höhe von knapp 10.000 € brutto im Jahr, oft liegt es darunter. Es gibt bis heute keine soziale Absicherung bei Krankheit, Ausfall oder ausbleibenden Engagements, es gibt kaum Ausbildungsberufe und oft schlechte oder gar sittenwidrige Verträge, denn ihre Auftraggeber arbeiten ebenso am Limit wie sie selbst. Während andere Arbeitnehmer_innen mittels Arbeitslosen-, Renten- und Sozialversicherung abgesichert sind, gilt für Musiker_innen nur eines: Ein Erhalt dieser Leistungen ist für sie genauso wichtig wie für andere Arbeitnehmer_innen. Soziale Absicherung, Renten- und Steuersysteme sind für Musiker_innen in Deutschland jedoch unzureichend. Arbeitslosenhilfe, Krankenversicherung, Rentenversicherung sind berechtigte Ansprüche, die bei Musiker_innen kaum formulieren können, da sie aufgrund ihrer niedrigen und unregelmäßigen Einkünfte ungleich schwerer zu berechnen sind. Sporadische Verträge mit Arbeitgeber_innen führen dazu, das Musiker_innen heute kaum private Versicherungen, regelmäßige Zahlungen in die Altersvorsorge oder gebundenes Kapital für Eigentum abschließen.  Denn es gilt: wenn keine verantwortungsvollen Arbeitgeber_innen vorhanden sind, droht die Altersarmut, Hartz 4 oder Schlimmeres.

©Andrea Rothaug
Geschäftsführung
RockCity Hamburg e.V.
ar/180916

Mit großem Dank an:
BV POP, German Association of Popular Music & Pop Culture, Quelle: // http://www.bvpop.de/
Behörde für Kultur und Medien Hamburg, Quelle: // http://www.hamburg.de/bkm/
The international Federation of Musicians (FIM), Quelle: // http://www.musikerorg.no

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